Sonntag, 22. September 2013

Das Eheseminar oder wieviel redest du mit deinem Partner?

Liebe Leser und Innen,

das Eheseminar ist weit mehr gefürchtet, als das es Furcht einflößen könnte. Wir haben es gestern in Eisenstadt hinter uns gebracht und haben es eigentlich sehr interessant empfunden.

Allen Vorankündigen etlicher katholischer Paare zum Trotz, war es nicht langweilig oder uninteressant, sondern durchaus interessant und eine willkommene Abwechslung in unseren Hochzeitsvorbereitungen. Auch die gespenstisch formulierenten "Ein Pfarrer klärt euch über die Ehe auf" Vorankündigung einiger verheirateter Paare blieb aus. Wir hatten als Seminarleiter ein sehr nettes Ehepaar, das schon mehr als 30 Jahre verheiratet ist und auch über Höhen und Tiefen einer Ehe sprechen konnten.

Mag sein, dass vor 20 oder 30 Jahren der "Eheunterricht" noch verstaubt und antiquarisch organisiert und durchgeführt wurde, so ist es aber heutzutage vielmehr ein Zeitraum in dem man sich seinem Partner mit voller Aufmerksamkeit widmen kann. Welches Paar kann heutzutage noch sagen: Wir haben uns den ganzen Tag nur auf uns konzentriert, unseren Wünschen, unseren Ängsten und unsern Hoffnungen?

Möglicherweise lag es nur an der einfühlsamen Art unserer Seminarleiter und in anderen Kursen, an anderen Orten mit anderen Seminarleitern ist es nicht so interessant.

Eines muss man aber dennoch anmerken: Es war anstrengend. Anstrengend deshalb, weil ich mir noch nie 8 Stunden lang Gedanken über mich, meinen Partner und unserer Beziehung gemacht habe. Das kann ganz schön ermüdend sein. Nicht etwa, weil es langweilig ist, nein weil ich meine Gehirn- und Gefühlszellen 8 Stunden unter Dauerbeschuss hatte. 8 Stunden nur über uns reden, das haben wir zum letzten mal zu Beginn unserer Beziehung getan.

Wer kennt das nicht? Man lernt sich kennen und will alles vom andern wissen. Sitzt tagelang jede Nacht zusammen und erzählt von sich und stellt dem anderen Fragen. Man hat soviel Energie und Sitzfleisch, dass man oft nicht mal Schlaf braucht, keinen Hunger hat und das Erzählte aufsaugt wie ein Schwamm. Lang ist es her, aber solche Nächte hatten wir auch und das waren sicher auch immer 8 Stunden durchgehende Gespräche.

Obwohl wir jeden Tag in der gleichen Firma arbeiten sehen wir uns genauso viel oder wenig wie andere Paare. Da bleibt oft nicht so viel zeit um über wirklich persönliches zu sprechen. Meistens geht es um organisatorisches wie z.B. wann fahren wir am Freitag nach Oggau, an welchen Tag kommen Vicky und Ronja, was werden wir essen, etc. So wird persönliches meistens Abends vorm zubettgehen beprochen. Das kanns dann auch mal paaieren, daß einer von uns beiden während des Gesprächs einfach einschläft. Das hat aber nichts mit desinteresse zu tun sondern meistens mit der Müdigkeit, die ein harter Tag mit sich bringt.

So war es für uns wirklich eine durchaus willkommene Abwechslung einen Tag nur für unsere Beziehung zu reservieren. Ohne Handy und ohne abgelenkt zu werden.

Wir haben Dinge voneinander erfahren, die wir einerseits ohnehin schon kannten, die man aber andererseits nicht oft genug sagen kann. Wie zum Beispiel das Tom sich zu 95% in der Früh als Alleinunterhalter fühlt, da ich ein extremer Morgenmuffel bin. Er kritisiert aber nicht meinen Fehler, sofern man hier überhaupt von Fehler sprechen kann, sondern er arrangiert sich damit. So steht Tom auf, macht das Frühstück und plaudert munter darauf los. Und er erwartet nicht, das er eine Antwort bekommt.

Auch das ist Liebe, einen Menschen so zu lassen wie er ist und nicht ändern zu wollen.

Charlie

1 Kommentar:

  1. "Auch das ist Liebe, einen Menschen so zu lassen wie er ist und nicht ändern zu wollen."

    das unterscheibe ich zu 300%

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